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2018-08-08T13:27:02+00:00 10. Dezember 2015|

Test und Realität klaffen weit auseinander – zum Beispiel bei den Dieselmotoren von VW, wie inzwischen alle wissen. Dass auch Leistungstests in Bildungsinstitutionen oft wenig mit der Bewältigung von Realanforderungen zu tun haben, sagen Bildungskritiker schon lange. Die clevere Medizinstudentin etwa braucht keine Software, die erkennt, dass sich nur zwei von vier Rädern im Test drehen. Sie lernt von vornherein anhand der Multiple-Choice-Tests der letzten Prüfungsjahrgänge. Schön blöd, wer sich umfassend oder vertieft mit einzelnen Themengebieten beschäftigt – das lenkt nur ab. Worauf es ankommt, um weiterzukommen, nämlich aus vier Antwortmöglichkeiten die richtige rauszufinden, das lernt man einfach auswendig. Zusammenhänge? Wechselwirkungen? Komplexität? Sowas mag es im echten Leben, bei echten Patienten geben – im Studium darf man sich damit nicht aufhalten. Während sich die Erfinder von Reformstudiengängen und Problem-Based-Learning- Szenarien tolle anwendungsnahe, praxisorientierte Curricula ausdenken, verfährt das Prüfungswesen ungerührt im Stile der Fahrschulprüfung: „Links blinken und zügig weiterfahren.“

Dass das dazu führt, dass weder Dozenten noch Studenten den Lehrbetrieb sonderlich ernst nehmen, weiß an medizinischen Fakultäten jeder. Dass durch die unselige Abschaffung der Anwesenheitspflicht allen Studiengängen eine ähnliche Entkoppelung von Lehre, Prüfung und Wirklichkeit verordnet wird, wie sie bei Medizinern oder auch Juristen längst Praxis ist, zeigt die Kurzsichtigkeit manch angeblicher Bildungsreform.