GÜLEN-BASHING - Man darf Popp kein Wort glauben • Bildungsforschung & Bildungsmanagement in Düsseldorf

GÜLEN-BASHING – Man darf Popp kein Wort glauben

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GÜLEN-BASHING – Man darf Popp kein Wort glauben

2018-06-13T14:44:08+00:00 10. Juni 2018|

Die Tagesschau berichtet am 9.6.2018 über eine angebliche Neubewertung der Gülen-Bewegung durch die Bundesregierung. Jedenfalls ist das die Behauptung des uns gut bekannten Maximilian Popp (siehe „Gut gefälscht“ des Kollegen Prof. Bultmann, Erfurt). Ohne dass ich zum momentan Genaueres der sog. Recherchen kenne, ist das Problematische daran, dass der Zeitpunkt so kurz vor den unfairen Neuwahlen in der Türkei nur Erdogan in die Karten spielt.

Auffällig ist schon einmal Folgendes:

  1. Report Mainz und SPIEGEL behaupten etwas und viele Medien springen drauf (schließlich hatte man auch schon länger nichts Sensationelles zu diesem undurchsichtigen, aber irgendwie doch wichtigen Komplex Erdogan-Gülen-Sekte-Putsch-etc. berichtet). Z.B. titeln Bayerischer Rundfunk und SWR: „Bund alarmiert über Gülen-Bewegung“.
  2. Ein problematisches Armutszeugnis, dass der deutsche Mainstream-Journalismus diese wahrscheinlich auf den bekannten Propaganda-Aktionen des Erdogan-„Menschenrechts-Anwalts“ Amsterdam (USA) beruhenden Meldungen („Aussteiger berichten über Parallelstruktur“) auf breiter Front aufgreift – Meldungen, die davon handeln, dass Dutzende von Gülen-Anhängern (deren einziges „Vergehen“ ist, dass sie sich der Hizmet-Bewegung zurechnen) im Ausland vom türkischen Geheimdienst „eingepackt“, d.h. geknebelt, gefesselt, entführt und in türkische Foltergefängnisse (so Amnesty und Human Rights Watch) gebracht wurden, wurden dagegen kaum aufgegriffen.
  3. Der unsägliche Reporter Popp spricht von einem „diamentralen“ (sic!) Gegensatz der Ziele der Gülen-Bewegung zur Demokratie. Und dann erweckt er den Anschein, als würde die Deutsche Botschaft in Ankara und mit ihr das Auswärtige Amt und mit ihm die Bundesregierung die Bewertungen selbst so vornehmen, dass nämlich „in Wirklichkeit“ die demokratie-kompatiblen Äußerungen der Gülen-Bewegung nur äußere Fassade einer zutiefst gefährlichen islamistischen Sekte seien. Popp selbst sagt dann – wenn man genau zuhört – NICHT, dass die Deutsche Botschaft die Gülen-Leute der organisierten Kriminalität beschuldigt. Sondern, dass es Gesprächspartner der deutschen Botschaft gebe, die das behaupten. Aber wer hört schon so genau hin ????
  4. Ich bin mal wieder so richtig begeistert von der deutschen Qualitätspresse, zumal ich heute in der Badischen Zeitung
    einen vordergründig neutralen Bericht – „Die einen lieben, die anderen fürchten Erdogan“ – lesen konnte, der aber dennoch im letzten Teil eindeutig die Aleviten, die türkische Linke und die Kurden in die Nähe von Terrorismus rückt. Während anfangs im selben Artikel das idyllische Bild eines demokratisch-pluralistischen Wahlvorgangs gezeichnet wird, in dem auch CHP-Wahlhelfer in Deutschland ganz selbstverständlich die von Erdogan aus durchsichtigem machtpolitischem Kalkül vorgezogene Wahl mit unterstützen. Im Mittelteil darf dann ein AKP-Anhänger klagen, dass die Oppositionsparteien – im Gegensatz zur AKP, die in Deutschland auf Wahlkampf verzichte – sich in Deutschland politisch betätigen. Man müßte wirklich die OSZE-Wahlbeobachter zum Schutz der armen, benachteiligten AKP Erdogans aktivieren, um ein Mindestmaß an Chancengleichheit im türkischen Wahlkampf zu retten … Geht’s noch?

Bereits kurz nach dem Putsch-Versuch, bei dem laut Erdogan die Hand Gottes im Spiel war, erschien eine kurze Analyse der Gülen-Bewegung in der Rheinischen Post (nachgedruckt in der Frankfurter Neuen Presse).
Und später im MERKUR – Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken.