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Der Fall Schavan

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Der Fall Schavan

2018-08-08T13:37:43+00:00 23. August 2012|

Vor einem Jahr hat unsere Universität die „General Online Research“ , eine große internationale Fachtagung zur Forschung übers und im Internet, ausgerichtet. Damals lernte ich Martin Heidingsfelder kennen, einen sympathischen Franken, Typ Golfclub-Sozialist. Heidingsfelder outete sich damals nur im kleinen Kreis – erst später wurde er als Mitinitiator der Plagiatsjäger-Internetplattformen guttenplag und vroniplag bekannt.

Und weil seine Mitstreiter ihm die Medienpräsenz übelnahmen und darin einen Verstoß gegen ihr geheimbundartiges Selbstverständnis sahen, wurden ihm kurzerhand die Administratorenrechte entzogen – eine heftige Degradierung. Nicht ganz so schlimm allerdings wie der Entzug des Doktorgrades. Der droht nach wie vor Prof. Dr. Annette Schavan, die vor über 30 Jahren an unserer Universität in meinem Fach promoviert wurde – bei einem Kollegen, der längst im Ruhestand ist. Es ist schon ziemlich pikant, dass ausgerechnet Deutschlands höchster Repräsentantin in Sachen Bildung und Forschung der Verdacht anhaftet, sie habe bei der Anfertigung ihrer Dissertation geschummelt – wenngleich, wie selbst aus der Plagiatsjägerszene zugestanden wird, in minder schweren Fällen. Die Kollegen, die nun im Promotionsausschuss über „den Fall Schavan“ befinden müssen, sind jedenfalls nicht zu beneiden. Schließlich geht es nicht wie bei Guttenberg um seitenlanges wortgetreues, aber nicht kenntlich gemachtes „Abkupfern“ fremder Texte. Sondern wohl nur um einen hier und da fehlenden Quellenverweis auf Werke, aus denen Schavan Formulierungshilfe bezogen hat. Wie kürzlich aus der Uni verlautete, wird sich die Untersuchung noch Monate hinziehen. Kommt der Promotionsausschuss zum Urteil „Aberkennung des Doktortitels“, werden viele sagen, hier werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Wird Annette Schavan „freigesprochen“ , wird es heißen, die Uni habe angesichts des großen Namens der Mut verlassen. Die Kollegen im Promotionsausschuss haben also eigentlich keine Chance, etwas richtig zu machen. Vielleicht hilft ihnen ja ein alter Sponti-Spruch: Du hast keine Chance, also nutze sie!